
Wir beginnen unsere Wanderung an der Südwestecke von Fischbach, das seit dem 1. Juli 1971 ein Stadtteil von Nürnberg ist. Bis auf die Fischbacher Hauptstraße ist der Ort vollständig vom Landkreis Nürnberger Land umschlossen. Die Eingemeindung ist historisch nachvollziehbar, denn "Vischebach" mit seinen "Vischebekken" stand schon immer unter Nürnberger Herrschaft.
Kriegsspuren immer noch sichtbar
Die Nähe zur Reichsstadt hat dem von Wald eingeschlossenen Dorf viele Opfer abverlangt. Im Ersten und Zweiten Markgrafenkrieg wurde es niedergebrannt, im Dreißigjährigen Krieg gebrandschatzt und geplündert. Die britischen Bombenangriffe auf Fischbach im August 1943 galten unter anderem einer Flak-Stellung zum Schutz von Nürnberg. Die 16 Flugabwehrkanonen vom Kaliber 8,8 Zentimeter waren in eine Bunkeranlage integriert. Mitten im Wald erinnern Erdwälle, Beton- und Backsteinreste an diese dunkle Zeit.
Ein Zitat des expressionistischen Malers Franz Marc mag die Stimmung beschreiben, die beim Anblick der Kriegsruinen aufkommt: "Der größte Trost der Geschichte war von jeher, dass die Natur durch allen verlebten Schutt hindurch immer neue Kräfte emporschiebt". Dennoch sollten die steinernen Zeugnisse nicht ganz in Vergessenheit geraten, damit spätere Generationen die Chance bekommen, aus der Geschichte vor Ort zu lernen.
Auf federnden Waldwegen laufen wir Richtung Eisweiher. Viele kleine Pfützen erschweren das Weiterkommen. Hier muss man mit feuchten Füßen rechnen. Denn das Gelände entlang des Fischbachs ist vom Umweltamt Nürnberg als Überschwemmungsgebiet eingestuft.
Noch ist der Eisweiher nicht über die Ufer getreten. Bevor wir ihn umrunden, machen wir einen Abstecher zu einem zwei Meter hohen Gedenkstein mit der Inschrift: "Hier wurde am 25. September 1917 Herr Gend. Vizewachtmeister Ludwig Weber der Station Zerzabelshof in treuer Ausübung seines Dienstes von unbekanntem Täter meuchlings erschossen."
Tat nie aufgeklärt
"Meuchlings erschossen" – aus dieser Formulierung spricht die ganze Fassungslosigkeit über diese Bluttat. Hier wurde ein Mensch offenbar heimtückisch, niederträchtig bzw. aus dem Hinterhalt heraus getötet. Am Morgen des 26. September finden Waldarbeiter die Leiche des Gendarmen in der Nähe des alten Eishauses. Der junge Mann liegt mit dem Gesicht am Boden. Er hat seine Dienstwaffe gezogen, konnte sie jedoch nicht mehr abfeuern. Die Tat wurde nie aufgeklärt.
Wegen seiner ausgleichenden Art war der Polizist im Dorf sehr beliebt. Der Kreisverband mittelfränkischer Gendarmen und das Forstamt Nürnberg-Ost errichteten im Oktober 1926 am Tatort ein Denkmal.
Weiter geht es zum ca. 2,8 Hektar großen und bis 1,8 Meter tiefen Eisweiher, der den Fischbach aufstaut. Bevor der Ingenieur Carl Paul Gottfried Linde (1842 - 1934) in den 1870er Jahren der Kältetechnik zum Durchbruch verhalf, waren die Bierbrauer zur Kühlung auf Natureis aus Gewässern angewiesen.
Der Name des Weihers erinnert an die ökonomisch bedeutsame "Eisernte" im Winter. Heute sind Schlittschuhfahren und Angeln angesagt. Glaubt man dem Gewässersteckbrief der Internetseite Angelermap.de, tummeln sich im Eisweiher Hechte, Karpfen und Schleien.
Am Abfluss wärmt sich eine etwa 70 Zentimeter lange Ringelnatter (Natrix natrix) auf dem Beton. Stockenten (Anas platyrhynchos) schlabbern Algen. Daneben landet ein Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum), dessen Name das männliche Geschlecht favorisiert. Die Weibchen haben meist einen gelben, braunen oder schwarzen Hinterleib, der erst im Alter blau werden kann. Die größte einheimische Segellibelle hat eine Spannweite von acht Zentimeter.
Zur "Flachsröste"
Vom Weiher führt uns der Weg in östlicher Richtung bis zur "Tiefen Brücke". So heißt die Straße, welche die Siedlung "Flachsröste" gegen den Wald abgrenzt. Auf Betreiben des Fischbacher Gemeinderates wurde die Moor- und Heidelandschaft seit 1917 entwässert und Mitte der 1930er Jahre für Wochenendhäuser erschlossen.
Die Wohnungsnot nach Kriegsende beschleunigte den Ausbau zu einer Wohnsiedlung. Der Name der Siedlung bezieht sich auf einen Arbeitsschritt bei der Leinenherstellung. Nach dem Abstreifen (riffeln) der Leinsamen musste die Flachspflanze mehrere Tage geröstet werden. Und zwar nicht mit Feuer, sondern mit Wasser.
Beim Rösten, Rotten oder Faulen in wassergefüllten Gruben lösen sich die Fasern vom holzigen Kern. Und das Feuchtgebiet nahe Fischbach bot sich für diesen Arbeitsschritt geradezu an.
Beim Felsenkeller am Ziel
Weil entlang der Stadtgrenze kein Weg verläuft, gehen wir weiter nördlich bis zum Felsenkeller von Fischbach. Der ehemalige Sandsteinbruch wird 1662 erstmals erwähnt.
Um 1665 werden die ersten Felsenkeller angelegt, vermutlich zur Lagerung von Natureis und/oder verderblichen Lebensmitteln. Genau wissen wir das nicht, denn die Selbstverständlichkeiten des Alltags wurden damals weder dokumentiert noch in die Welt posaunt.
Seit 1988 kümmern sich der Bürgerverein Südost und der Männergesangsverein Lyra um die verlassenen Felsenkeller. Wenn gerade keine Pandemie herrscht, zieht das Felsenkellerfest zahlreiche Fischbacher an den historischen Sandsteinbruch.




Keine Kommentare